Icon Ratgeber
Kommunikation
mit herausfordernden Patient:innen
Zurück
Die Kommunikation mit Patient:innen mit seltenen, chronisch-entzündlichen Autoimmunerkrankungen kann anspruchsvoll sein. Für jede:n Patient:innen immer die passende Ansprache zu finden und dabei immer Ruhe und Kompetenz auszustrahlen, ist eine hohe Kunst. Als Neuro Nurse bist Du ein Profi auf diesem Gebiet. Aber wie kannst Du mit herausfordernden Patient:innen umgehen?

Die Kommunikation zwischen den Patient:innen und Dir beginnt bereits nonverbal, sobald Du im gleichen Raum bist. Patient:innen nehmen Deine Gestik, Mimik und Körperhaltung genau wahr.

Wichtig ist daher eine offene Körpersprache. Hier einige Tipps dazu:

  • Wenn Du mit Patient:innen Blickkontakt aufnimmst, signalisiert dies Aufmerksamkeit. Der Blick auf den Bildschirm, speziell während eines Gesprächs, kann von Deinem Gegenüber hingegen sehr leicht als Zeichen von Desinteresse gedeutet werden.
  • Ein erster Blickkontakt sollte am besten bereits beim Eintreten stattfinden und idealerweise etwa 3 Sekunden dauern.
  • Aufmerksamkeit zeigst Du auch durch geduldiges Zuhören und gegebenenfalls Kopfnicken.
  • Ein leichtes Vorbeugen des Oberkörpers im Gespräch signalisiert Interesse.
  • Ebenso ist es ein positives Zeichen, wenn Du Patient:innen ausreden lässt, auch wenn es manchmal schwer fallen sollte. 

Es muss beim Gespräch in der Praxis oder Klinik nicht immer nur um das Leben mit der Erkrankung gehen. Gelegentlicher Smalltalk lockert die Atmosphäre auf und kann speziell ängstlichen Patient:innen helfen, sich zu beruhigen.

Dass es in Praxis oder Klinik mal länger dauern kann, kannst Du in der Regel nicht ändern. Was Du aber kannst, ist, Patient:innen transparent darüber zu informieren (und vielleicht kurz die Gründe dafür zu erläutern).

Die Verständigung mit älteren Patient:innen kann erschwert sein, etwa durch Schwerhörigkeit oder Gedächtnisschwierigkeiten. Das Gespräch funktioniert am besten, wenn Du mit diesen Menschen in einfachen, kurzen Sätzen sprichst und wichtige Informationen freundlich wiederholst, idealerweise ohne überfürsorglich zu wirken. Wenn Du nicht sicher bist, ob Deine Gesprächspartner:innen alles richtig verstanden haben, empfiehlt es sich, nachzufragen. Kommunikations-Profis zeichnet in solchen Situationen Geduld aus. Wichtig ist, die Patient:innen ernst zu nehmen und wertschätzend zu kommunizieren.

Hilfreich kann es sein, wenn Du das Gespräch mit begleitenden Angehörigen suchst und auch diesen mitteilst, was die Patient:innen wissen und beachten sollten.

Dass Patient:innen verärgert in die Praxis oder Klinik kommen und harsche Kritik äußern – zum Beispiel an Wartezeiten – ist in vielen medizinischen Einrichtungen gängig.

Wenn Du dabei ins Fadenkreuz der Kritik gerätst: Nimm das nicht persönlich, auch wenn es sich auf den ersten Blick an Dich richtet. Nicht Du bist gemeint, sondern die Situation. Doch wie reagieren?

  • In der Regel führt es nicht zu einer Lösung, bei Beschwerden gleich auf Konfrontationskurs zu gehen – auch wenn die Vorhaltungen völlig unberechtigt sind.
  • Stattdessen kannst Du die Situation in der Regel meistern, indem Du verständnisvoll zuhörst, höflich bleibst und bei Bedarf sachlich die Gründe für zum Beispiel die Verzögerung erklärst.
  • In solchen Situationen kann es helfen, Patient:innen einzuladen lösungsorientiert mitzudenken. Du kannst zum Beispiel fragen: „Was erwarten Sie jetzt von mir?“. So eine Frage kann manchen aufgebrachten Patient:innen schon den Wind aus den Segeln nehmen.
  • Du musst Dir nicht alles gefallen lassen. Wenn Patient:innen Deine Autorität nicht akzeptieren, ist es an Dir, Grenzen zu setzen und deutlich zu machen, dass respektloses Verhalten nicht toleriert wird.
  • Wenn Beschwerden begründet sind, könnten sie eine Chance sein, Abläufe im Team zu hinterfragen und zu verbessern.

Die Verständigung mit Menschen, die nur sehr wenig Deutsch sprechen, kann schwierig sein. Deine Aufgabe ist es zunächst, das Sprachniveau zu erkennen – werden die ärztlichen Informationen verstanden? Termine mit Patient:innen mit geringen Sprachkenntnissen lassen sich möglicherweise vorbereiten. Eventuell kannst Du Online-Merkblätter in der jeweiligen Sprache heraussuchen und wichtige Begriffe vorab recherchieren?

Damit Du von Menschen mit geringen Deutsch-Kenntnissen bestmöglich verstanden wirst, empfiehlt es sich, dass Du kurze, vollständige Sätze in normaler Lautstärke verwendest und dabei auf eine deutliche Aussprache achtest. Wenn Du als kompetent und emphatisch wahrgenommen wirst, wirst Du zu einer wichtigen Bezugsperson, gerade auch für Patient:innen, für die bereits die Kommunikation auf Deutsch ein Hindernis darstellt.

Wichtige zusätzliche Ansprechpartner:innen sind begleitende Angehörige. Diese können häufig dabei helfen, Patient:innen alles richtig verstehen und sich später an die ärztlichen Vorgaben halten. 

Gerade bei Patient:innen und Angehörigen, die viele Fragen mitbringen, Redebedarf haben und sich mit anderen Betroffenen austauschen möchten, kann eine Selbsthilfeorganisationen für die jeweilige Erkrankung möglicherweise Ansprechpartner:innen vermitteln. Hier erfährst Du, welche Selbsthilfeorganisationen es für Menschen mit NMOSD und Myasthenia gravis sowie deren Angehörige gibt.

Wenn Du Dich näher mit dem Thema Kommunikation mit Patient:innen beschäftigen möchtest: Die Ärztekammer Nordrhein hat dazu einen ausführlichen Leitfaden herausgebracht, der zum kostenfreien Download bereitsteht.
Für Menschen mit chronisch-entzündlichen Autoimmunerkrankungen wie NMOSD oder Myasthenia gravis spielen Angehörige eine zentrale Rolle.

Jetzt mehr erfahren
Quellen:
DE/UNB-g/0236